Presbyopie – Was ist das?

Es ist ein vertrautes Bild, das sich uns bietet, wenn ältere Menschen eine Notiz auf einem Blatt Papier betrachten, oder etwas auf dem Handydisplay lesen. Statt das Objekt vor die Augen zu bringen wird es mit gestrecktem Arm möglichst weit weg gehalten. Das leichte Vor- und Zurückbewegen der Hand zusammen mit in Falten gelegter Stirn und zusammengekniffenen Augen kennt man aus verschiedenen Situationen. Die Ursache dafür ist die Weitsichtigkeit, die man im Alter entwickelt. Presbyopie lautet der Fachbegriff dafür . Aber was genau ist das und wie kommt es zu dieser Weitsichtigkeit? Hier eine Erklärung dazu.

Das Auge

Das menschliche Auge ist ein Wunder der Natur. Ein komplizierter Apparat, der in der Lage ist den Anforderungen des menschlichen Alltags gerecht zu werden. Zwar gibt es im Tierreich durchaus Beispiele für bessere Sehleistung, das menschliche Auge ist aber für den Lebensstil als Jäger, Sammler und soziales Wesen perfekt geeignet. Raubkatzen sind in der Lage in fast absoluter Dunkelheit zu sehen. Das verschafft Ihnen einen großen Vorteil bei der nächtlichen Jagd. Während die Beutetiere sprichwörtlich im Dunklen tappen kann die Raubkatze sie beobachten und entscheiden, wann sie zuschlägt.

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Raubkatzen verfügen über ein gutes räumliches Wahrnehmungsvermögen. Der große Vorteil liegt aber in ihrer Netzhaut, die ihnen ermöglicht auch mit sehr wenig Restlicht klar zu sehen

Auch Raubvögel haben Augen, die zu Höchstleistungen fähig sind. Wären die Augen Bildsensoren in digitalen Kameras, dann hätten die Raubvögel mehr Megapixel, als andere Tiere. Eine höhere Anzahl an Sehzellen auf der Netzhaut machen es den Raubvögeln möglich, mehr Details aus großer Höhe zu erkennen. So kann der Adler ein winziges Beutetier beobachten und es gezielt im Sturzflug schlagen. Der Vogel Strauß kann mit seinen riesigen Augen bis zu

Menschliche Augen

Der Mensch verfügt über zwei, nach vorne gerichtete Augen. Evolutionsgeschichtlich ist der Mensch ein Raubtier. Genauso, wie ander Raubtiere ist der Sehsinn, speziell das räumliche Sehen essentiell für den Jagderfolg. Die beiden Augen nehmen dasselbe Bild aus zwei Perspektiven wahr. Im Gehirn werden die unterschiedlichen Bilder zu einem Gesambild verbunden. Dieses Binokularsehen ermöglicht die räumliche Wahrnehmung, die wir bei jeder Bewegung nutzen. So ist die Koordination der Hände einfach möglich und wir sind in der Lage feinmotorische Tätigkeiten zu verrichten. Bei Fluchttieren, wie etwa der Gazelle, sitzen die Augen seitlich am Kopf. Das ermöglicht den Tieren fast einen Rundum-Blick mit sehr kleinen Bereichen, die nicht eingesehen werden. Nähert sich ein Raubtier von hinten, oder der Seite, wird es frühzeitig wahrgenommen.

Akkommodation

Aber nicht nur die Ausrichtung der Augen spielt eine Rolle. Das Licht, das durch die Pupille ins Auge fällt, muss genau auf der Ebene der Netzhaut auftreffen um scharf zu sehen. Damit wir klar sehen, ist es nötig das Licht im Auge zu brechen. Zu diesem Zweck liegt an der Vorderseite des Auges eine Linse. Die weiche Linse selbst ist im entspannten Zustand stark gewölbt und damit auf den Nahbereich eingestellt. Um ihre Form zu verändern gibt es unterschiedliche Ansätze. Eine Strategie ist es, den Druck im Auge zu verändern. Durch ein Zusammendrücken des Augapfels steigt der Druck der Augenflüssigkeit. Diese drückt damit von hinten auf die Linse. Dadurch wird sie flacher. Es gibt im Tierreich auch die Strategie die Menge der Flüssigkeit zu regulieren und damit die Krümmung der Linse zu verändern. Beim Mensch erfolgt die Anpassung der Linse aber anders.

Ziliarkörper

Im menschlichen Auge wird die Linse von den Zonulafasern gestreckt. Die Fasern setzen an den Rändern der Linse an und ziehen sie nach außen. Dadurch ist das menschliche Auge auf Weitsicht eingestellt, wenn es entspannt ist. Um einen näheren Bereich zu fokussieren muss die Linse entspannt werden. Das passiert im Auge durch das Anspannen des Ziliarkörpers. Dieser sitzt ringförmig um das Auge und bildet dort den Ziliarmuskel. Spannt man den Muskel an, dann entlastet das die Zonulafasern. Sie wirken dann weniger stark auf die Linse, die sich ihrer ursprünglichen, stark gewölbten Form, annähert. Wir fokusieren auf den Nachbereich. Dieser Vorgang wird Akkomodation genannt und passiert immer dann, wenn wir unser Auge auf eine kurze Entfernung einstellen. Die Elastizität der Linse sorgt für die notwendigen Verformungen und lässt die Linse, je nach Wirkung der Zonularfasern abflachen, oder stark gewölbt das Licht brechen.

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Bei der Laserkorrektur wird die Hornhaut mittels Laserlicht gezielt verdampft und die Oberfläche verformt. Dadurch wird die Lichtbrechung der Hornhaut verändert und eine Fehlsichtigkeit ausgeglichen

Fehlsichtigkeit

Um in allen Bereichen scharf zu sehen, ist es notwendig, die Linse jeweils so zu krümmen, dass es korrekt auf die Netzhaut trifft. Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit hat in den meisten Fällen nicht nur etwas mit der Linse zu tun. Die Fehlsichtigkeit wird durch die falsche Länge des Augapfels im Verhältnis zu den anderen Komponenten verursacht. Ist das Auge zu kurz, dann sitzt die Netzhaut zu nahe an der Linse und Weitsichtigkeit, auch Hyperopie oder Hypermetropie genannt, liegt vor. Das Bild, speziell im Nahbereich wird nicht scharf abgebildet. Die zweite, geläufige Fehlsichtigkeit ist die Myopie, oder die Kurzsichtigkeit. Hier ist der Augapfel zu groß und die Distanz zur Netzhaut damit zu lange. Diese Form der Fehlsichtigkeit betrifft größere Distanzen. Um Myopie, oder Hyperopie auszugleichen kommen optische Hilfsmittel zum Einsatz. Stilvolle Modebrillen sind heute nicht nur ein medizinisches Hilfsmittel, sondern können auch bewußt als modisches Accessoire eingesetzt werden.

Augenkorrekturen

Neben den Brillen, bei denen Linsen vor den Augen für eine ausgleichende Lichtbrechung sorgen, gibt es auch die Möglichkeit, Kontaktlinsen zu tragen. Auch hier kommen Linsen zum Einsatz und brechen das Licht so, dass die Fehlsichtigkeit ausgeglichen wird. Es stehen aber auch chirurgische Maßnahmen zur Auswahl. Sehr ausgereift ist mittlerweile das Laserverfahren. Dabei wird, mittels Laser, gezielt ein Teil der Hornhaut verdampft. So wird die Lichtbrechnung durch die Hornhaut verändert und es entsteht derselbe Effekt, wie bei der Linse, die als Brille, oder Kontaktlinse vor das Auge gesetzt wird. Die Ursachen für die weit verbreiteten Fehlsichtigkeiten liegt also in der Anatomie des Auges. Die Linse spiegelt das Bild nicht auf die Ebene der Netzhaut, sondern davor, oder dahiner. Damit entsteht ein unscharfes Bild. Anders sieht es bei der Presbyopie aus.

Presbyopie

Presbyopie wird umgangssprachlich als Altersweitsichtigkeit bezeichnet. Der Effekt ähnelt der Hyperopie. Allerdings hat er eine andere Ursache. Das Auge verändert sich auch im Alter nicht in seiner Form. Es wird also nicht länger, oder kürzer. Aber der Bewegungsspielraum der Linse wird geringer. Grund dafür ist der Ziliarmuskel. Der Ziliarkörper ist ja für die Entlastung der Zonulafasern verantwortlich. Wird er angespannt entlastet das die Zonulafasern. Dadurch verringert sich der Zug auf die Linse, die sich in ihre natürliche gewölbte Form zurückzieht.

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Mit dem Alter erschlafft der Ziliarkörper erschlafft und die Elsatizität der Linse nehmen ab. Scharf stellen ist im Nahbereich nicht mehr möglich

Für die Akkomodation, also das Scharfstellen muss die Linse im Nahbereich sehr stark gekrümmt werden. Mit dem Alter verliert der Ziliarkörper an Kraft. Der Ziliarmuskel erschlafft und kann die Zonulafasern mit zunehmenden Alter immer weniger entlasten. Damit rückt auch der Nahpunkt, also die Entfernung, in der man ein nahes Objekt noch scharf sehen kann, immer weiter weg. Parallel verliert die Linse an Elastizität. Auch wenn der Ziliarmuskel seine Funktion behält und die Zonulafasern entlastet, kann die Linse sich nicht mehr so stark wölben, wie in der Jugend. Beide Effekte zusammen verursachen die Altersweitsichtigkeit.

Lebenslange Entwicklung

Der Ziliarmuskel erschlafft allerdings nicht innerhalb eines kurzen Zeitraums. Tatsächlich ist das ein Prozess, der sich fast über das ganze Leben erstreckt. Bereits in der Jugend verschiebt sich der Nahpunkt. Kann man mit 10 Jahren noch im Nahbereich von unter 8 Zentimetern scharf sehen, sind es mit 20 Lebensjahren bereits 10 Zentimeter. Mit 40 Jahren sind es bereits mehr als 20 Zentimeter, die ein Objekt entfernt sein muss und mit 50 Jahren verschiebt sich der Nahpunkt langsam, aber sicher an das Ende der Armlänge. Spätestens dann hat man, mit einem Nahpunkt von 40 Zentimetern, Probleme beim Lesen. Der Nahpunkt verschiebt sich auch in den folgenden Lebensjahren in immer weitere Entfernung und das Fokussieren im Nahbereich wird mit zunehmendem Alter schwieriger und unmöglich.

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Eine Lesebrille gleicht die Altersweitsichtigkeit aus. Die Presbyopie wirkt sich aber nur auf den Nahbereich aus

Hebt Altersweitsichtigkeit Kurzsichtigkeit auf?

Die Kurzsichtigkeit macht ein Fokussieren in großer Entfernung unmöglich. Die Länge des Augapfels ist zu groß und das Bild kann nicht scharf auf der Netzhaut abgebildet werden. Der Gedanke, dass die Presbyopie diesen Effekt aufhebt, liegt nahe. Allerdings ist es leider nicht so, dass die Altersweitsichtigkeit die Kurzsichtigkeit aufhebt. Zur Kurzsichtigkeit, also einem Problem weit entfernte Objekte scharf zu sehen kommt mit der Presbyopie auch noch ein Problem im Nahbereich hinzu. Die Hoffnung mit dem Alter keine Brille mehr zu benötigen, geht also nicht in Erfüllung. Stattdessen kommt zur Fehlsichtigkeit auch noch die Altersweitsichtigkeit und statt einer einzigen Brille benötigt man eine zweite, oder Bifokalgläser für den Nahbereich.

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