Rauchen – Sucht, oder Gewohnheit?

Wer raucht, der macht das in vielen Fällen ganz unbewusst. Eingebettet in den Alltag gibt es etliche kleine Rituale, bei denen man sich eine Zigarette in den Mund steckt. Sei es die Morgenzigarette auf dem Balkon, die Zigarette zum Kaffee, oder nach dem Essen. Die Zigarette danach ist für viele Raucher mehr als ein Klischee. Sie gehört, wie die vielen anderen kleinen Nikotinportionen, fest zum Alltag. Ob das Rauchen Sucht, oder Gewohnheit ist, lässt sich für viele Menschen, die sich regelmäßig eine anzünden, kaum beantworten. Durch die vielen kleinen Rituale und die Integration in den Alltag kommt es erst gar nicht zum Entzug. Für den Raucher entsteht ein klares Bild. Die Zigaretten gehören zum Alltag. Sie sind ein Teil der Selbstbestimmung und Freiheit. Ein Genussmittel, zu dem man sich mehrmals am Tag frei entscheidet. In dieser Wahrnehmung kann man auch jederzeit mit dem Rauchen aufhören. Nur möchte man das einfach nicht. Wozu auch? Sucht, oder Gewohnheit? Diese Frage lässt sich im Grunde leicht beantworten. Zumindest für Nichtraucher.

Gewohnheit

Ticks und unangenehme Angewohnheiten hat wohl jeder von uns. Manche sind nicht weiter schlimm, andere können Mitmenschen nerven. Viele kennen so etwas, wie zwanghaftes Verhalten. Läuft man über einen, mit quadratischen Platten ausgelegten Platz, setzt man seinen Fuß nicht auf die Linien. Oft berührt man Absperrungen mit dem Finger, wenn man an ihnen vorbeigeht. Andere trommeln mit den Fingern auf den Tisch, kauen Nägel, oder kratzen sich immer wieder. Die Fülle solcher Zwangshandlungen reicht sehr weit und tatsächlich machen die meisten Menschen solche Dinge bewusst. Sie können, wenn es nötig ist, jederzeit damit aufhören. Andere, die unter zwanghaftem Verhalten leiden, können es nicht einstellen. Sie waschen laufend ihre Hände, oder kontrollieren mehrfach, ob sie die Wohnungstür verschlossen haben. Auch gesunde Menschen kennen solche Gedanken. Es kann passieren, dass man im Urlaub ständig in der Angst lebt, die Herdplatte nicht abgeschaltet zu haben. Das ist aber noch keine Zwangsstörung.

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Rauchen ist ein Teil unseres Soziallebens. In vielen Ritualen spielt die Zigarette zumindest eine Nebenrolle

Zwangsstörungen

Tatsächlich sind Zwangsstörungen, wie etwas das Händewaschen, sehr selten. Weit weniger als 5 Prozent der Bevölkerung leiden an einer solchen Störung. Die Gründe können vielfältig sein. Hat sich die Zwangsstörung aber erst einmal entwickelt, kann sie das Leben des Betroffenen massiv beeinträchtigen. Unterdrückt man den Zwang und gibt ihm nicht nach, sind Angstzustände die Folge. Könnte das Rauchen auch eine Zwangsstörung sein? Ist es möglich, dass der Griff zur Zigarette eine Zwangshandlung ist? Ist die Gewohnheit, für die viele Raucher es halten, in Wahrheit ein zwanghaftes Verhalten, dem sie nachgeben? Zwar gibt es Hinweise darauf, dass Rauchen die Entwicklung von psychischen Erkrankungen begünstigt, das Rauchen selbst ist aber keine Zwangshandlung. Allerdings steckt auch hinter dem Rauchen ein Zwang.

Sucht

Der Zwang beim Rauchen besteht darin, den Suchtstoff zu konsumieren. Das ist bei jeder Sucht gleich. Ist man einmal süchtig nach Nikotin, verspürt man immer wieder den Zwang, Nikotin aufzunehmen. Entscheidet man sich dafür, das Rauchen aufzugeben, kommt es zu Nikotinentzug. Körperliche und psychische Folgen des Fehlens der Substanz, nach der man süchtig ist. Während der Entwöhnung ist man reizbar, leidet an Schweißausbrüchen und Kopfschmerzen und kann sich nur schwer konzentrieren. Rasch setzt man Gewicht an, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Mehrere Tage hat man mit dem Entzug zu kämpfen, bevor die Symptome nachlassen.

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Das Rauchen wird oft idealisiert und als Entspannung dargestellt. In Wahrheit bedient man lediglich die Sucht

Ausrede

Das Rauchen als Gewohnheit zu bezeichnen, ist eine einfache Ausrede. Immer wenn man das Verlangen nach einer Zigarette verspürt, zündet man sich „aus Gewohnheit“ eine an. Tatsächlich gibt es aber keine Alternative, denn hinter dem Verlangen steckt die Sucht. Die Zusammensetzung des Zigarettenrauchs begünstigt die Entwicklung einer Abhängigkeit vom Nikotin. Ist man erst einmal süchtig, muss man immer wieder Nikotin konsumieren. So ist die Zigarette nicht die Lösung dafür, dass man nervös und unruhig ist, sondern die Ursache dafür. Entzug macht sich zuerst durch innere Unruhe und Nervosität bemerkbar. Raucht man regelmäßig, dann kommt es erst gar nicht zu einem Entzug. Muss man, etwa auf einem Langstreckenflug, über Stunden auf Zigaretten verzichten, dann spürt man die körperlichen Folgen am eigenen Leib.

Ersatzhandlungen

Allerdings darf man die Gewohnheit nicht ganz außer Acht lassen, will man mit dem Rauchen aufhören. Die vielen Rituale, bei denen der Raucher über den Tag verteilt, mehrere Zigaretten raucht, fallen mit dem Ende des Rauchens ersatzlos weg. Damit verliert man soziale Netzwerke, hat keine Beschäftigung in Pausen und steht auch sonst immer wieder mit leeren Händen da. Es ist daher wichtig, in dieser Phase Ersatz zur Hand zu haben. Eine beliebte Variante, um die Entwöhnung von den Zigaretten einfacher zu gestalten, sind E-Zigaretten, oder Dampfer. In diesen Geräten werden Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, über heißen Drähten verdampft. Der Dampf wird eingeatmet. Da die Liquids parfümiert sind, schmeckt der Dampf unterschiedlich. Das Gefühl ist zwar anders, als Rauch zu inhalieren, aber eine solche E-Zigarette ermöglicht es, die Rituale weitgehend beizubehalten. Sie wird wie eine Zigarette verwendet und ersetzt diese damit im Alltag. Auch wenn es derzeit keine konkreten Hinweise darauf gibt, dass der Dampf der E-Zigaretten gesundheitsschädlich ist, ist es auf jeden Fall besser, das Rauchen ersatzlos aufzugeben.

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Im Zigarettenrauch finden sich etliche Schadstoffe, die nachweislich gesundheitsschädlich sind. Das Nikotin und die Sucht sorgen dafür, dass man trotzdem immer wieder raucht

Nikotin

Auf dem Weg zum Entzug können allerdings Nikotingaben unterstützen. So stehen Nikotinpflaster, oder nikotinhaltige Kaugummis zur Verfügung. Auch Liquids gibt es mit unterschiedlichem Nikotingehalt. Damit ist es möglich, die Entzugserscheinungen zu bekämpfen. Durch einen sukzessiven Abbau der Nikotinzufuhr kann man so, langsam die Abhängigkeit reduzieren und ohne starke Entzugserscheinungen das Rauchen aufgeben. Dass Rauchen abhängig macht und eine Nikotinsucht schafft, ist wissenschaftlich bewiesen. Es als liebgewonnene Gewohnheit abzutun, ist nur eine Variante, den Tatsachen nicht ins Auge zu blicken. Die Sucht ist eine körperliche Folge der Konsumation des nikotinhaltigen Zigarettenrauchs. Niemand kann sich auf Dauer davor schützen. Die einzige echte Lösung ist nur, nie mit dem Rauchen zu beginnen. Raucht man bereits, dann empfiehlt es sich, damit aufzuhören. Während das Nikotin selbst kaum Schaden anrichtet, sind die Giftstoffe im Rauch extrem schädlich. Durch die Sucht ist man gezwungen, immer wieder Zigaretten zu konsumieren und damit Giftstoffe aufzunehmen. Rauchen schadet der Gesundheit und sollte im besten Fall ersatzlos aufgegeben werden.

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